Dieser Beitrag ist Teil 28 von 30 der Serie #Storytellity

28 Was darf in einem Dialog nie passieren?

Die Schlange im Garten Eden verführt Eva, von der Frucht der Erkenntnis zu essen.

Eva und die Schlange im Garten Eden

Dialoge sind für Geschichten das, was Zitate und Forschungsergebnisse für andere Teile der Reden sind. Sie verleihen dem Geschehen Glaubwürdigkeit. Doch ihr Einsatz ist problematisch. Was Sie bei Dialogen beachten müssen, lesen Sie in diesem Kurzbeitrag.

Gute knackige Dialoge geben einer Geschichte Tiefe aus der so wichtigen Erfahrungs-Perspektive. Wir sprechen mit Widersachern, mit Helden, mit Mentoren, wir führen Selbstgespräche und wir reden mit dem Publikum.

Doch Achtung! In Ihren Dialogen lauert auch eine der gefährlichsten Fallen des Storytellings, der dialoginduzierte Spannungstod. Nicht wenige Geschichten sind in ihren Dialogen trocken verendet. Niemand im Publikum möchte einem mehrminütigen Gespräch folgen. Daher gilt es, so schnell wie möglich zuzuspitzen.

In der Praxis bestehen daher viele Dialoge aus einem einzigen Satz wörtlicher Rede. Ich komme zum Beispiel gerade direkt von einem Meeting der Taunus Toastmasters in Bad Homburg. Ein Gast des Meetings wunderte sich, dass wir nach unseren Reden nicht kurz stehenbleiben, um den Applaus zu genießen. “Ihr seid so sehr auf’s Zeitmanagement fixiert, dabei sind 10 Sekunden Wertschätzung des Applauses nun wirklich nicht zu viel!” Wo er recht hat, da hat er recht. Gleichzeitig ist das ein gutes Beispiel für einen solchen Einsatzdialog. In diesem einen Satz steckt die Essenz eines ganzen Gesprächs. Mehr muss mein Publikum gar nicht wissen.

Die zweite große Falle in Dialogen ist die Verwendung der Kontext-Perspektive beim Wechsel der redenden Charaktere.

Robert sagte: “Das ist mir jetzt ein wenig zu viel des Guten!” “Was denn(?)”, fragte Dina. “Na, diese ständige Übertreibung”, meinte Robert. “Was meinst Du?” möchte Dina wissen …

Die Kontext-Perspektive, die für das Verständnis ständig eingeflochten wird, zehrt am Aufmerksamkeitsbudget des Zuschauers. Das geht einfacher und besser. Neben den ganz klassischen Mitteln, wie Gestik, Mimik und Stimme haben wir gerade in Dialogen sehr wirksame Unterscheidungsmöglichkeiten für unsere Charaktere. Wir können uns gegenüber dem Publikum anders orientieren (zum Beispiel rechts/links), um einen Charakterwechsel anzuzeigen und wir können die Körperhaltung ändern.

Auch sehr schön: Arbeiten Sie mit der Reaktion auf das Gesagte. Angenommen ein Mitarbeiter macht seinem Chef schwere Vorwürfe. Wenn der jetzt vielleicht erst ansetzt, um etwas zu antworten. Dann zögert, einige Momente nach untern schaut, dann tief einatmet und sich schließlich entschuldigt, haben Sie einen inneren Dialog für das Publikum sichtbar gemacht. Ihre Geschichte berührt so viel mehr, als wenn Sie nur die Entschuldigung auf die Vorwürfe folgen lassen.

Mein Tipp: Zeichnen Sie den Dialog Ihrer Geschichte mit dem Smartphone auf. Dann merken Sie schnell, was Sie noch optimieren können.

Geschichtenerzählen war ganz sicher keine meiner Stärken. Ich musste mir alles erarbeiten, unzählige Bücher lesen und natürlich auch scheitern. Irgendwann wusste ich allerdings so viel darüber, dass ich anderen noch etwas beibringen konnte und sogar meine eigene Methode entwickelt habe. Die Story Matrix ist einfach. Sie erspart den peinlichen Moment, wenn Du merkst, dass Deine Zuschauer nichts mit Deiner Geschichte anfangen können. Peinlich deshalb, weil Du ja zu Ende erzählen musst.

Die Story Matrix funktioniert für jeden. Deshalb habe ich ein Buch über die Methode geschrieben.

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