Dieser Beitrag ist Teil 25 von 30 der Serie #Storytellity

25 Ist die Inszenierung Ihrer Geschichte wichtig?

Don Quichote, der Ritter der traurigen Gestalt

Don Quichote

Die Frage, ob wir unsere Geschichte so erzählen, wie sie passiert ist oder ob wir sie neu inszenieren, stellen sich Redner immer wieder. In diesem Kurzbeitrag lesen Sie, was für eine Inszenierung spricht.

Vom Erlebnis bis zu einer erzählten Geschichte ist es oft nicht weit. Das glauben zumindest viele. Aber Erlebnisse bereichern unsere ErfahrungenGeschichten dagegen dienen dem Publikum.

Dem stimmen auch die Apologeten der sich möglichst am Originalerlebnis orientierenden Geschichten zu. Daher wird auch niemand protestieren, die Zeitachse zu verkürzen und Erlebnisse, die sich teilweise über Tage hingezogen haben, in wenigen Minuten zusammenzufassen.

Doch das ist keine Inszenierung. Inszenierung bedeutet, einen Spannungsbogen aufzubauen. Szenen möglicherweise drastischer zu schildern, als sie sich tatsächlich zugetragen haben und die Fakten der Geschichte und ihre Kausalität der Inszenierung unterzuordnen.

In der Praxis fällt das dem einen oder anderen schwer. Zum Beispiel hat der Erzähler als der Held seines eigenen Erlebnisses vielleicht die Lösung einer schwierigen Situation ganz allein gefunden. Aber die Inszenierung verlangt die Hilfestellung eines irgendwie gearteten Mentors.

Dieser Kunstgriff, der den Helden für das Publikum menschlicher macht und gleichzeitig die Botschaft leichter vermittelbar, setzt eine Bescheidenheit voraus, die nicht jeder aufbringen möchte. Schließlich ist der Erzähler ja auch stolz auf die eigene Schläue.

Das Publikum erwartet allerdings eine gute Inszenierung. Es möchte sich nicht langweilen müssen, nur weil der Redner jedes kleine Detail seines Erlebnisses auch in die Geschichte einbaut. Noch weniger schätzt es das Bravado eines Helden, mit dem sich keiner identifizieren kann oder möchte.

Geschichten sollen spannend sein. Andernfalls will sie keiner hören.

Diese Spannung mag der Redner auch in seinen Erlebnissen empfunden haben. Viel wahrscheinlicher ist es allerdings, dass ein herausragender Erzähler sie bewusst eingebaut hat.

Genau für diesen Zweck gibt es Dramaturgien, wie “Man in the hole”, Cinderella oder “Boy meets girl” (s. Kurt Vonnegut). Die zugrundeliegenden Erlebnisse der Redner folgen doch nicht von Natur aus der jeweiligen Dramaturgie. Anstatt dessen werden die Ereignisse und ihre Kausalität dem Spannungsbogen dieser bewährten Geschichtsformate angepasst.

So! Jetzt ist es an Ihnen. Egal was ich hier schreibe. Am Ende ist es Ihre Entscheidung, ob Sie Ihre Erlebnisse neue inszenieren oder nicht. Genauso, wie es am Zuschauer liegt, ob er Ihre Rede/Geschichte gut findet oder nicht.

Geschichtenerzählen war ganz sicher keine meiner Stärken. Ich musste mir alles erarbeiten, unzählige Bücher lesen und natürlich auch scheitern. Irgendwann wusste ich allerdings so viel darüber, dass ich anderen noch etwas beibringen konnte und sogar meine eigene Methode entwickelt habe. Die Story Matrix ist einfach. Sie erspart den peinlichen Moment, wenn Du merkst, dass Deine Zuschauer nichts mit Deiner Geschichte anfangen können. Peinlich deshalb, weil Du ja zu Ende erzählen musst.

Die Story Matrix funktioniert für jeden. Deshalb habe ich ein Buch über die Methode geschrieben.

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