no time for losers

Im Frühjahr beginnt wieder der Wettbewerb International Speech in zehntausenden Toastmasterclubs weltweit. Ich werde dabei sein. Der Wettbewerb beim Rhetorik Club Frankfurt findet am 25.03.2015 statt.

Meine letzte Erfahrung mit einem Redewettbewerb liegt nicht weit zurück. Damals wurde ich beim Redewettbewerb Humorvolle Rede disqualifiziert. Ich hatte überzogen:

Es war nicht das Erste Mal, dass ich an mir selbst gescheitert bin. Als professioneller Redner denkst Du Dir: Sogar im Halbschlaf sollest Du die ersten Runden im Wettbewerb gewinnen können. So dachte ich auch bei meinem ersten Wettbewerb, den ich sogar in der ersten Runde verlor. Es war der Wettbewerb Humorvolle Rede im Herbst 2013. Meine Rede selbst war nicht schlecht. Sie war sogar so gut, dass ein Toastmasterkollege sie 18 Monate später noch zitieren konnte. Aber ich war einfach nicht witzig genug. Weiterlesen

Schuss ins TorWar es Ihnen auch peinlich? Als sich am 15.7.2014 die frischgebackenen Fußball-Weltmeister der Fanmeile in Berlin präsentierten, erlaubte sich eine der Wohngemeinschaften aus Campo Bahia einen Fehltritt. Das Publikum war kurz irritiert, feierte ihre Mannschaft dann aber trotzdem weiter. Schließlich ist der vierte Stern eine historisch einmalige Leistung.

Was war passiert? Einige Spieler hatten eine der im Fußball üblichen Fan-Performances übernommen. Sie schauspielerten übertrieben die geknickten Argentinier in gebückter Köperhaltung. Dazu sangen sie: » So gehen die Gauchos. So gehen die Gauchos! « Dann richteten sie sich stolz auf und sangen weiter: » So gehen die Deutschen. So gehen die Deutschen! «

Der Critstorm

Auch ich war unangenehm berührt. Doch wie der Rest der Zuschauer hatte ich es schnell abgehakt. Nicht so die versammelte Presse und viele Facebook- und Twitter-Nutzer. Das Video des Vorfalls wurde immer wieder geteilt. Man rümpfte die Nase, also ob die Nationalmannschaft geschlossen gegen das Brandenburger Tor gepinkelt hätte. Ein ausgewachsener Critstorm brach los. #Gauchogate war der Aufreger des Tages.

Mit dieser Performance hätten die Spieler alles wieder kaputt gemacht, was sie vorher an positivem Image aufgebaut haben. Auch die Presse reagierte schnell. Spiegel Online titelte noch während der Feier:» Götze, Klose und Co. verhöhnen die Argentinier. «

Wider der Gleichmacherei

Ich denke, wir müssen hier unterscheiden. Hauptberuflich sind diese 23 jungen Männer Fußballer. Ihr Spiel ist die Unterhaltung für ein Millionenpublikum. Sie sind Interviewprofis, weil die Vereine sie entsprechend schulen.

Aber vor 400.000 Menschen zu stehen und zu performen ist eine ganz andere Herausforderung. Ich möchte den Redner sehen, der Angesichts eines großen Publikums und dem damit einhergehenden Drucks nicht schon einmal etwas Blödes gesagt hätte. Das ist quasi Teil der Ausbildung.

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Der beste Vortrag kann in die Binsen gehen, wenn der Redner gestört wird. Mit manchen Störungen müssen wir uns abfinden, anderen können wir entgegenwirken und wir können vor allen Dingen vorbereitet sein.

Gespannte Stille macht sich in der Weststadtbar breit. Gleich beginnen die Vorträge der Sternstunde für Unternehmer. Alle sind gespannt, was jetzt kommt. Alle? Nein, ein Besucher möchte lieber seine Unterhaltung fortführen. Schließlich scheint sein Gegenüber ihm ja andachtsvoll zuzuhören. Ich bin der erste von sechs Rednern. Soll ich den Schwätzer zum Schweigen bringen? Nein, ich wüsste ja nicht einmal, wie. Bestimmt will er nur seinen Punkt zu Ende bringen und dann gespannt zuhören. So sieht ein Fehler aus, bevor er zuschlägt.

Ich fange also an: “Stellen Sie sich vor, Ihr einziges Kind wird entführt. Natürlich will sich das niemand vorstellen. Gleichzeitig verlangt Ihnen die Situation alles ab, was Ihr Oberstübchen hergibt. Denn Sie brauchen Ihre besten Lösungen …” Ja! Gut! Ich habe das Interesse der Leute gewonnen. Sie wollen wissen, wie es weiter geht. – Bis auf dem Schwätzer neben mir.

Ich habe schon vieles erlebt. Reden auf der offenen Bühne bei Messen, Blaskapellen im Nebenraum oder sogar Tanzproben, bei denen unser Saal mitgebebt hat. All das hat mich nie aus dem Konzept gebracht.

Der Schwätzer hat es geschafft.

Doch das ist Schnee von gestern. Viel interessanter ist die Frage, wie gehen wir mit solchen Störungen um?

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Redner KJLJeder kennt das. Du sitzt mit einem interessanten Menschen stundenlang im gleichen Zug. Du hörst zu und Du erzählst einiges. Am Ende bist Du müde und brauchst eigentlich etwas Zeit für Dich. Da ist es nicht ideal, wenn Du vor 200 Leuten auftreten willst.

In den vergangenen Wochen war ich bei drei Veranstaltungen Moderator für die Sternstunde für Mitarbeiter, die firmeninterne Varianten der Sternstunde für Unternehmer.

Hamburg

Erster Auftritt in Hamburg. Auf dem Weg dorthin saß ich mit meinen Referenten im Zug und habe mich gut unterhalten. In Hamburg angekommen, hatte ich praktisch kein Mitteilungsbedürfnis mehr. Ich war kommunikativ ausgewrungen. Normalerweise genieße ich die kreativen Einfälle während der Moderation. Ich improvisiere gerne! Diesmal fiel mir beim besten Willen nichts ein. Ich erzählte bis auf wenige Ausnahmen das, was ich vorbereitet hatte.

Weil er es von mir noch nicht besser kannte, war der Kunde sehr zufrieden. Aber ich war es nicht.

Stuttgart

Am nächsten Tag hatten wir die gleiche Veranstaltung in Stuttgart. Die Fahrzeit ist viel kürzer und daher gab es auch weniger Gespräche. Meine Moderation war um einiges freier, Die Muse setzte zu ein paar kurzen aber wirkungsvollen Ausflügen an, um mir ihren Kuss aufzudrücken.

Kommentar des Kunden: Die Veranstaltung war noch besser als in Hamburg. Ich war immer noch nicht zufrieden.

Frankfurt

Einige Tage später traten wir in Frankfurt auf. Keine Zugfahrt, keine Gespräche. Mein Mitteilungsbedürfnis war kaum zu beherrschen und ganz nebenbei sicherte ich mir ein Handmikro, das für Moderation besser geeignet ist als die üblichen Krawattenmikrofone. Mit dem Mikro in der Hand lässt sich besser »spielen«. Tipp: Unbedingt ausprobieren! Spaßgarantie!

Ich war wie ausgewechselt! Ich flirtete mit dem Publikum, ich flüsterte ihm Geheimnisse zu und ich erzählte Geschichten, die mir aus dem Nichts zuflogen.

Meine Referenten waren zeitgleich auch besser. Daher war unser Kunde richtig begeistert und zur Abwechslung war ich mit mir selbst sehr zufrieden.

Das ist besser

Ja, es ist unhöflich. Aber meine Zeit und Aufmerksamkeit gehören dem Publikum, das auf mich wartet. Daher werde ich mir zukünftig bei der Hinfahrt einen Kopfhörer aufziehen und die spannenden Gespräche nach getaner Arbeit auf der Rückreise führen.

PublikumStell Dir vor: Du stehst vor Deinem Publikum. Du legst Dein ganzes Herzblut in Deinen Vortrag. Im Vorfeld hast Du eine zum Sterben schöne PowerPoint-Präsentation vorbereitet. Du ziehst alle Register! Doch Deine Zuhörer umarmen sich lieber selbst als Deine Worte: verschränkte Arme, gerunzelte Stirn, kein Lächeln, keine Reaktion. Mit anderen Worten: Du stehst vor einem gigantischen schwarzen Loch, das Deine Energie schneller schluckt als ein Porsche Cayenne das SuperPlus an der Tanksäule. Auf Deiner Stirn bilden sich Schweißtropfen, Du wirst heiser.

Was tust Du?

Erfahrung macht klug

Wer oft vor Publikum steht, hat diese Erfahrung bestimmt schon gemacht. Es lässt sich nicht verhindern. Lernen ist Trumpf und je häufiger wir Zuschauer haben, desto seltener passiert es – hoffentlich. Dabei ist es völlig egal, ob danach die Leute zu Dir kommen und Dich beglückwünschen, weil der Vortrag “gut” war.

Wenn wir als Redner Erfolg haben wollen, ist “gut” kein Maßstab.

Die Sicht der Zuschauer

Denn sehen wir es einmal von der anderen Seite, aus der Sicht der Zuschauer: Du sitzt also in einem Vortragssaal auf der für Dich wichtigsten Messe des Jahres. Dein Unternehmen hat wieder eine unvernünftige hohe Summe in dieses alljährliche Abenteuer investiert und Du sitzt in diesem Vortrag. Jede Minute kostet ein Vermögen. Aber der Titel klang interessant und den Referenten wolltest Du ohnehin schon immer einmal hören.

Diese 45 Minuten sind also richtig teuer. Wirst Du dann mit einer artig guten Rede zufrieden sein? Oder erwartest Du, dass der Redner Dich aus dem Sitz haut und Du es nicht erwarten kannst, diese großartigen Impulse gleich umzusetzen?

Wenn wir uns das vor Augen führen und in einen Raum mit 250 erwartungsvollen Zuhörern blicken, dann ist “gut” einfach nur schlecht.

Das wechselhafte Pendel der guten und schlechten Tage

Allerdings sind wir alle nur Menschen und jeder von uns erwischt gute und schlechte Tage. An den guten Tagen könnten wir nahezu unvorbereitet auf die Bühne treten und es regnet Manna vom Himmel. Doch weil wir auch schlechte Tage haben, machen wir das nicht.

Die mentale Einstellung

Es gibt so Vieles, was ein Redner vor seinem Auftritt alles tun kann, damit er auf der Bühne auf dem Punkt ist. Das fängt bei der richtigen Einstellung an. Manch einer fühlt sich in den Minuten davor wie ehedem bei einer Prüfung. Treten wir so vor unsere Zuschauer wird uns das Publikum mit absoluter Sicherheit auf die Probe stellen.

Wenn wir eine Rede halten, dann ist das hoffentlich kein Selbstzweck. Ich habe mich vor vielen Jahren auf das Thema “Entscheiden” spezialisiert. Bei dem Thema kann jeder mitreden. Doch wozu gibt es Experten? Wenn es mir gelingt, deren Pseudosicherheit zu erschüttern und durch Klarheit und echtes Wissen zu ersetzen, dann verändere ich damit das Leben meiner Zuschauer.

Diese Chance vermittelt ein unglaubliches Gefühl. Ich kann es meistens kaum erwarten vor mein Publikum zu treten. Es ist Teil meiner großen Mission.

Zwischen Einem Redner,. der sich vom Publikum prüfen zu lässt und einem Redner, der seinem Publikum eine Botschaft zu vermittelt liegen Welten. Wen würden wir wohl lieber sehen?

Worte sind nicht genug

Ein Redner ist ein Musiker. Sein Instrument ist seine Stimme. Aus der Kommunikationsforschung wissen wir, dass Worte nur 7 Prozent unserer Kommunikation ausmachen. Unsere Stimme bestimmt 38 Prozent und 55 Prozent unsere Körpersprache.

Was machen wir für diese 38 Prozent der Kommunikation, an denen so viel hängt? Ein Musiker stimmt vor seinem Auftritt sein Instrument. Hochbezahlte Opernsänger singen ihre Stimme warm.

Was macht ein Redner?

Es gibt eine ganze Reihe von Stimmübungen, die wir vor einem Auftritt machen können, um das beste aus unserem “Instrument” herauszuholen. Zudem besteht die Zunge, der Kiefer und das Zwerchfell aus Muskeln. Muskeln, die wir trainieren, wenn wir einmal keinen Auftritt haben.

Mit dem Reden ist es wie mit Sport. Wir können auch einmal beim Fußball mitkicken. Das macht Spaß. Aber gegen trainierte Sportler haben wir dann keine Chance. Ein Sportler, der nur am Wettkampftag trainiert, wird auch niemals eine Medaille gewinnen.

Ob wir als Redner an einem schlechten Tag nur “gut” sind, haben wir also selbst in der Hand.

Zurück ins schwarze Loch

Stell Dir also vor, Du blickst in das schwarze Loch im Publikum. Du legst alle Energie rein, um Deine Zuschauer für Dich zu gewinnen. Doch das ist völlig falsch. Denn es gibt in jedem Publikum skeptische Zuhörer. Je mehr wir uns reinhängen, desto skeptischer schauen sie. Das ist ein Spiel, dass wir nicht gewinnen können.

Genauso gibt es in jedem Publikum Zuschauer, die von vorne herein auf unserer Seite sind. Wir müssen sie nicht gewinnen. Sie schenken uns schon bei der ersten Gelegenheit ein Lächeln und an der richtigen Stelle ein Lachen.

Für diese Menschen stehst Du auf der Bühne. Lass die Miesepeter kritisch schauen. Konzentrier Dich auf DEIN Publikum. Dann passiert nämlich etwas ganz Besonderes. Je mehr Menschen lächeln, mitmachen, die Hand heben und mitlachen, desto weniger Miesepeter sitzen im Zuschauerraum. Die Kritiker lösen sich in Luft auf.

Während das passiert, merkst Du, wie Deine Rede ständig besser und präsenter wird, weil. Dein Publikum versorgt Dich mit Energie im Überfluss, auf Deinem Rücken hast Du selbst Gänsehaut. Am Ende sitzt kein einziger Miesepeter mehr im Publikum.

Denn Du als Redner hast die Macht Dein Publikum für Dich zu gewinnen, indem Du Mehrheiten schaffst. Der Rest ist Soziologie. Keiner widersteht der großen Gruppe.

Dein Publikum zählt

Von Natur aus tendiere ich dazu, Miesepeter als Herausforderung zu begreifen. Wenn ich zum Beispiel im Supermarkt zahlen möchte, suche ich mir oft die miesepetrigste Kassiererin aus und versuche sie zum Lächeln zu bringen. Das ist nicht schwierig, weil ich ihr nur ein wenig Beachtung schenken muss.

Doch als Redner gilt für mich: Konzentrier Dich auf DEIN Publikum. Wer nicht dazu gehören will, folgt später automatisch.