Es gibt wahrscheinlich nichts, was bei Publikum und Rednern so beliebt ist wie Geschichten. Es gibt allerdings auch nichts, was an die Zumutung eines schlechten Geschichtenerzählers heranreichen würde. Deshalb an dieser Stelle sieben Erzählertypen, die keiner hören oder sehen möchte:

1. Der Historiker

Er muss alles so erzählen, wie es tatsächlich war. Bei ihm gibt es kein High Noon um 12 Uhr Mittags sondern er führt das Gespräch mit seinem Kollegen um 14:32 Uhr an einem Dienstag im Juni. Der Dialog entwickelt sich auch nicht in wenigen Momenten zu einem heißen Konflikt. Stattdessen erzählt er davon, dass man sich erst auf den neuen Meetingtermin mit dem Kunden einigte, bevor er das Thema der problematischen Zusammenarbeit anspricht. Zur Richtigkeit gehört für ihn auch, dass der Streit sich über mehrere Treffen entwickelte, bis er es schließlich aufgab. An dieser Stelle ist das Publikum bereits im Tiefschlaf.

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So geht es. Wer unvergessliche Reden hält, ragt unter der Masse der Redner heraus. Er wird häufiger gebucht und kann natürlich höhere Honorare verlangen. Was aber am wichtigsten ist: Seine Botschaft hat Bestand und das macht für ihn jeden Auftritt um einiges erfüllender.

vergesslicher Redner swIm ersten Teil des Artikels haben wir mit unserer Botschaft das Fundament für eine unvergessliche Rede gelegt. Denke immer daran, es ist noch lange keine Botschaft, wenn sich in der Rede nur eine generelle Themenrichtung wiederfindet.  Fällt den Besuchern nach einer Rede nichts anderes ein, als dass der Vortrag zum Beispiel über Motivation oder über Marketing gegangen ist, hat der Mann auf der Bühne keinen guten Job gemacht.

Die alles überragende Botschaft reicht für eine unvergessliche Rede nicht aus, aber sie bereitet das Feld für das, worüber wir heute sprechen. Die Strukturelemente unserer Rede. Sie sorgen für die MAGIE Deiner Rede. MAGIE steht für Metapher, Akronym, Geschichten, Interaktion und Energie.

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KJL mit Publikum Hände in der Luft

Warum soll ich dem Menschen da vorne auf der Bühne meine Zeit schenken? Was kann er mir in der nächsten Stunde erzählen, was ich nicht in einem guten Buch auf meiner Couch nachlesen könnte?

Unser Publikum ist verwöhnt. Der Wunsch nach Wissen lässt heute niemanden mehr den Monolog eines Fachidioten erdulden. Denn wir können es uns an jeder Internet-Ecke selbst anlesen.

Wenn wir uns Zeit für einen Vortrag nehmen, dann muss uns die Präsentation unter die Haut gehen. Wissen reicht uns nicht, wir suchen Erkenntnis.

Gute Gespräche sind gut, weil wir auf den anderen eingehen. Wenn unser Gegenüber das Bedürfnis hat, sprechen wir vielleicht einmal nicht über das Geschäft, sondern über seine gesundheitlichen Probleme, die Schulsorgen seiner Kinder und das richtige Geschenk für eine Silberhochzeit. Er soll sich dabei so wohl fühlen, dass er sich schon auf das nächste Mal mit uns freut.

Als Redner wollen wir auch, dass unsere Zuschauer uns am liebsten gleich wieder sehen möchten. Dann haben wir alles richtig gemacht. Allerdings können wir nicht wie in einer guten Unterhaltung auf jeden individuell eingehen. Das erwartet auch niemand. Stattdessen müssen wir den richtigen Ton treffen.

Unser Publikum hat eine Geschichte. Mit unserer Rede können wir diese Geschichte entweder weiterführen oder umschreiben. Dann hören uns die Menschen gebannt zu. Denn dann ist es ihre Geschichte und kein anonymer Vortrag fürs Volk.

Wie soll das gehen? Schließlich reden wir in einem Raum mit 200 oder mehr Menschen und jeder Einzelne hat seine eigene Geschichte. Das Zauberwort heißt Verbindung. Was verbindet alle in diesem Raum?

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Redner beim Geschichten Erzählen

Redner beim Geschichten ErzählenStell Dir vor, Das Publikum hängt an Deinen Lippen. Die Menschen haben sich leicht vorgebeugt, wollen kein Wort verpassen. In Deinen Sprechpausen könnte man eine Nadel fallen hören.

So ist das, wenn wir eine gute Geschichte erzählen. Das ist der Moment, den wir zusammen mit unserem Publikum erleben wollen. Leider gelingt es nicht immer.

Der Schauspieler und Impro-Künstler Frederik Malsy empfiehlt: »Wenn Du privat keine Geschichten erzählst, dann mache es auch nicht als Redner!«

Diesen Rat zu beherzigen könnte schwer fallen. Schließlich gilt Storytelling als der heilige Gral unter den Redner-Werkzeugen. Bilder und Geschichten haben die Menschheit in ihren Bann gezogen, solange es Sprache gibt. Unser Gehirn ist darauf optimiert.

Zum Glück muss ich mir diesen Schuh nicht anziehen. Ich erzähle gerne Geschichten. Allerdings mache ich es nicht immer gut. Wir haben immer die Wahl. Entweder wir erzählen die Geschichte akkurat oder spannend. Für eine Zeugenaussage ist akkurat besser, in einer Rede ist spannend besser.

Der Tipp vom Profi

Vor kurzem hatte ich das Glück, mich mit der Geschichtenerzählerin Xenia Busam auszutauschen. Ihr Rat an mich: Erzähle Deine Geschichte nicht chronologisch, sondern inszeniere sie, um Höhepunkte zu schaffen. Ein echter Augenöffner!

Zum Beispiel arbeite ich in einem meiner Vorträge mit der Filmgeschichte “Kopfgeld – einer wird bezahlen” . Der Erpresser (Gary Sinise) möchte sein Opfer, den Unternehmer Tom Mullen (Mel Gibson) glauben machen, dass er keine Wahl hat und das Lösegeld für seinen Sohn zahlen muss. An der chronologisch richtigen Stelle sage ich dann zum Publikum: »Das ist die Schlüsselfrage des Films. Hat Tom Mullen tatsächlich keine andere Wahl?«

Xenia empfiehlt, die Frage an den Anfang der Geschichte zu stellen. »Stellen wir uns vor, jemand erzählt uns, wir hätten keine andere Wahl, als seinen Anweisungen zu folgen. Was würden wir ihm sagen?«

Der Mord steht am Anfang

In jedem gut erzählten Krimi findet der Mord bereits am Anfang statt. Danach beschäftigt der Autor seine Leser mit den Fragen, wer es warum getan hat und ob der Täter erwischt wird oder nicht. Das erzeugt so viel Spannung, dass wir als Leser das Buch kaum aus der Hand legen.

Wenn wir die Kernfrage unserer Geschichte an den Anfang stellen, dann machen wir etwas Ähnliches. Zum einen überlegt sich der Zuhörer, wie er die Frage beantworten würde. Zum anderen möchte er wissen, was die Frage soll. Das erzeugt Interesse und Spannung.

Wie weit das trägt, hängt davon ab, was wir weglassen. Geschichten sollen unterhalten, Genauigkeit ist meist das Gegenteil davon. Manche Fakten gefallen dem Erzähler, weil sie für ihn interessant sind. Der Zuhörer möchte dagegen seine Neugierde gestillt haben. Jeder Firlefanz, der seine Fragen nicht beantwortet, schafft dagegen Spannungstiefen. In einem Film würde ich dann meine Frau bitten: Weck mich, wenn es wieder spannend wird.

In der Hand des Redners

Allerdings hat der Geschichtenerzähler es selbst in der Hand, wofür sich seine Zuhörer interessieren. Als Redner möchten wir Inhalte transportieren. Wir möchten überzeugen und vielleicht unserem Publikum etwas Neues beibringen. Eine unterhaltsame Geschichte mag da nicht ausreichen.

Wir alle wissen ja, was passiert, wenn wir Balken, Torten und anderes Zahlenwerk auflegen. Das Publikum schaltet auf Passivmodus um. Wir als Redner sollen es über dieses Schlagloch hinwegführen, ohne ihm zu viel Denkarbeit abzufordern.

»Das ist doch das Letzte!« Mit diesem Feedback hat ein bedauernswerter Kollege vor einigen Monaten fast sein Publikum verloren. Er hatte den Fehler gemacht, ein Balkendiagramm aufzulegen und angemerkt, die Zahlen sprächen eine deutliche Sprache. Zwei Slides weiter hatte das Publikum ihn im Schwitzkasten. Was er da erzähle, ergebe doch gar keinen Sinn. Den hätte es schon ergeben, wenn das Publikum die Zahlen verarbeitet hätte, die für sich selbst hätten sprechen sollen.

Redner heißen deshalb so, weil sie reden. Wenn wir das Zahlen oder Bildern überlassen, geben wir ihre Deutung aus der Hand und damit die Kontrolle. 😮

Nutze Deinen Erkenntnisvorsprung

Nein! Wenn das Publikum mitdenken soll, dann braucht es dafür eine Motivation. Wir können es neugierig machen. Zum Beispiel: »Tom Mullen war mit dem Lösegeld schon unterwegs. Nur noch wenige Minuten trennten ihn vom möglichweisen größten Fehler seines Lebens.«  Der Erzähler ist allwissend. Er kann dieses Wissen durchblitzen lassen und seinen Zuhörer neugierig machen. Warum soll die Lösegeldzahlung ein so großer Fehler sein?

Entscheidungsbäume sind bei Vorträgen eigentlich tabu. Das Publikum ist nicht darauf trainiert, mit einem Blick zu erkennen, was so ein Baum aussagen soll. Aber an dem Punkt will der Zuhörer mitdenken, er will es wissen. Indem ich das Ergebnis »größter Fehler seines Lebens« vorweg nehme, durchbreche ich wieder die Chronologie der Geschichte und schaffe einen Spannungspunkt, der in der eigentlichen Geschichte sonst gar nicht vorhanden wäre.

Im normalen Ablauf des Geschehens hat der Unternehmer Tom Mullen zu dem Zeitpunkt keinen Schimmer, welche Dimension sein Fehler hat. Denn alle Außenstehenden halten es für richtig, das Lösegeld zu bezahlen. Aber als Erzähler baue ich eine verlockende Falle auf. Ich ermögliche dem Zuschauer einen Blick hinter die Kulissen, einen Wissensvorsprung. Wer ließe sich da nicht in Versuchung bringen?

Es funktioniert. Nach meinem Vortrag sehe ich oft Teilnehmer, die mit der Tischdekoration Entscheidungsbäume aufbauen, um über diesen Punkt zu diskutieren. Mehr kann man als Redner nun wirklich nicht verlangen, oder? 🙂

Chronologie einmal ganz anders

Der zeitliche Ablauf des Geschehens ist eine Möglichkeit, unsere Geschichte zu organisieren. Aber wer hat gesagt, dass sie immer vom Anfang zum Ende erzählt werden muss?

Ein Tipp: Versuchen wir doch beim nächsten Mal unsere Geschichte vom Ende zum Anfang zu erzählen, Gerade bei Entscheidungen funktioniert das sogar ganz gut. Zum Beispiel: »Rainer ist frisch geschieden, Er reichte seiner Ex die Hand und wusste, dass er die größte Liebe seines Lebens verloren hatte. Hätte er nur gewusst, wie es endet, dann hätte er alles ganz anders gemacht … «

Viel Spaß beim Geschichtenerzählen!