KJL mit Publikum Hände in der Luft

Warum soll ich dem Menschen da vorne auf der Bühne meine Zeit schenken? Was kann er mir in der nächsten Stunde erzählen, was ich nicht in einem guten Buch auf meiner Couch nachlesen könnte?

Unser Publikum ist verwöhnt. Der Wunsch nach Wissen lässt heute niemanden mehr den Monolog eines Fachidioten erdulden. Denn wir können es uns an jeder Internet-Ecke selbst anlesen.

Wenn wir uns Zeit für einen Vortrag nehmen, dann muss uns die Präsentation unter die Haut gehen. Wissen reicht uns nicht, wir suchen Erkenntnis.

Gute Gespräche sind gut, weil wir auf den anderen eingehen. Wenn unser Gegenüber das Bedürfnis hat, sprechen wir vielleicht einmal nicht über das Geschäft, sondern über seine gesundheitlichen Probleme, die Schulsorgen seiner Kinder und das richtige Geschenk für eine Silberhochzeit. Er soll sich dabei so wohl fühlen, dass er sich schon auf das nächste Mal mit uns freut.

Als Redner wollen wir auch, dass unsere Zuschauer uns am liebsten gleich wieder sehen möchten. Dann haben wir alles richtig gemacht. Allerdings können wir nicht wie in einer guten Unterhaltung auf jeden individuell eingehen. Das erwartet auch niemand. Stattdessen müssen wir den richtigen Ton treffen.

Unser Publikum hat eine Geschichte. Mit unserer Rede können wir diese Geschichte entweder weiterführen oder umschreiben. Dann hören uns die Menschen gebannt zu. Denn dann ist es ihre Geschichte und kein anonymer Vortrag fürs Volk.

Wie soll das gehen? Schließlich reden wir in einem Raum mit 200 oder mehr Menschen und jeder Einzelne hat seine eigene Geschichte. Das Zauberwort heißt Verbindung. Was verbindet alle in diesem Raum?

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