Teil I: Die Botschaft

Zeigefinger swDie Frau ist witzig, hat Ahnung und weiß, zu reden. Doch als sie nach gut einer Stunde furios endet, bleibt doch eine Frage offen. Was wollte Sie mir eigentlich sagen? Da bleibst Du als Zuhörer gut unterhalten zurück, aber die einzelnen Teile verschwinden schon im Nebel des Vergessens, während Du noch vergnügt über den letzten Gag nachdenkst.

Ist es Dir auch schon einmal so ergangen? Der Redner ist unvergesslich. Aber für seine Rede gilt das nicht. Woran liegt das? Ist es unsere verkürzte Aufmerksamkeitsspanne? Schließlich haben Internet, SMS, E-Mails und SmartPhones in den letzten Jahren unsere Arbeits- und Denkweise nachhaltig verändert.

Nein! Das ist zwar ein spannendes Thema, aber das ist allerhöchstens ein Thema, warum so viele Redner mit ihrer schnellvergesslichen Rede durchkommen.

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Redner KJL beide Arme ausgebreitetHast Du schon einmal ein Geschenk bekommen, das in recyceltes Geschenkpapier eingewickelt war?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Obwohl ich schon hin und wieder erlebe, wie Freunde und Bekannte meine Mitbringsel ganz vorsichtig auspacken, um das “schöne Papier” nicht zu beschädigen.

Würde ich es aber merken, dann hätte ich vermutlich ein seltsames Gefühl. Bin ich es dem anderen nicht wert, ein unbenutztes Geschenkpapier zu verwenden? Bin ich ein Bekannter zweiter Klasse für ihn? Oder geht es ihm so schlecht, dass er sich kein Geschenkpapier leisten kann? Soll ich das Geschenk überhaupt annehmen?

So ähnlich ergeht es mir, wenn ich dem einen oder anderen Redner zuhöre. Manche Geschichten und Beispiele werden immer wieder neu aufgewärmt. Als vor rund zwei Jahren Matthias Garten das erste Mal in seinem Vortrag vom “betreuten Lesen” sprach, habe ich Tränen gelacht. Er bezeichnete damit Reden mit sehr textlastigen Folien.  Letzte Woche auf der Präsentationskonferenz hat Nils Bäumer den gleichen Satz benutzt, genauso wie natürlich Matthias Garten.

Das ist unangenehm. Mindestens einer hat sein Geschenkpapier recycelt. Letzten Donnerstag erzählt mit eine Toastmasterkollegin von einer Rednerin, die auf dem Marketingsymposium in Mainz sprach. Das Symposium fand parallel zur Präsentationskonferenz in Mainz statt. Meine Kollegin erzählte mir davon, dass sie herzhaft darüber lachen musste, als die patente Unternehmerin, deren Namen sie bezeichnenderweise nicht mehr wusste,  vom “betreuten Lesen” in Powerpoint-Präsentationen gesprochen hatte.

Nichts ist so stark, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist, soll Victor Hugo einmal gesagt haben. Bei witzigen Redewendungen scheint das Gegenteil zuzutreffen.

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