Der beste Vortrag kann in die Binsen gehen, wenn der Redner gestört wird. Mit manchen Störungen müssen wir uns abfinden, anderen können wir entgegenwirken und wir können vor allen Dingen vorbereitet sein.

Gespannte Stille macht sich in der Weststadtbar breit. Gleich beginnen die Vorträge der Sternstunde für Unternehmer. Alle sind gespannt, was jetzt kommt. Alle? Nein, ein Besucher möchte lieber seine Unterhaltung fortführen. Schließlich scheint sein Gegenüber ihm ja andachtsvoll zuzuhören. Ich bin der erste von sechs Rednern. Soll ich den Schwätzer zum Schweigen bringen? Nein, ich wüsste ja nicht einmal, wie. Bestimmt will er nur seinen Punkt zu Ende bringen und dann gespannt zuhören. So sieht ein Fehler aus, bevor er zuschlägt.

Ich fange also an: “Stellen Sie sich vor, Ihr einziges Kind wird entführt. Natürlich will sich das niemand vorstellen. Gleichzeitig verlangt Ihnen die Situation alles ab, was Ihr Oberstübchen hergibt. Denn Sie brauchen Ihre besten Lösungen …” Ja! Gut! Ich habe das Interesse der Leute gewonnen. Sie wollen wissen, wie es weiter geht. – Bis auf dem Schwätzer neben mir.

Ich habe schon vieles erlebt. Reden auf der offenen Bühne bei Messen, Blaskapellen im Nebenraum oder sogar Tanzproben, bei denen unser Saal mitgebebt hat. All das hat mich nie aus dem Konzept gebracht.

Der Schwätzer hat es geschafft.

Doch das ist Schnee von gestern. Viel interessanter ist die Frage, wie gehen wir mit solchen Störungen um?

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