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KJL bei TM»Willst Du Dich der größten Rednerorganisation der Welt anschließen? « Als sich mir diese Frage stellte, war ich schon einige Jahre als Redner unterwegs. Was sollte ich da noch groß lernen?  Toastmasters richtet sich doch in erster Linie an Menschen, die das Reden vor Publikum erst noch für sich entdecken.

Ich irrte mich. Die Treffen folgen einer klaren Agenda, die auf zwei Dinge ausgerichtet ist: Reden und Feedback. Das bringt professionelle Redner genauso voran, wie Einsteiger.

Die Freiheit, nicht zu gefallen

Das Feedback ist Teil der offiziellen Agenda. Freundliche Toastmaster-Kollegen halten zu jeder Deiner Reden eine Feedback-Rede. Das ist spannend! Denn wenn jemand ein paar Minuten über Deine Rede spricht, geht das weit über ein oberflächliches “Gut Gemacht” heraus. Er muss seine Gedanken offenlegen. Sonst hätte er nichts zu sagen. Das ist peinlich. Deshalb passiert es auch nicht. Weiterlesen

Schuss ins TorWar es Ihnen auch peinlich? Als sich am 15.7.2014 die frischgebackenen Fußball-Weltmeister der Fanmeile in Berlin präsentierten, erlaubte sich eine der Wohngemeinschaften aus Campo Bahia einen Fehltritt. Das Publikum war kurz irritiert, feierte ihre Mannschaft dann aber trotzdem weiter. Schließlich ist der vierte Stern eine historisch einmalige Leistung.

Was war passiert? Einige Spieler hatten eine der im Fußball üblichen Fan-Performances übernommen. Sie schauspielerten übertrieben die geknickten Argentinier in gebückter Köperhaltung. Dazu sangen sie: » So gehen die Gauchos. So gehen die Gauchos! « Dann richteten sie sich stolz auf und sangen weiter: » So gehen die Deutschen. So gehen die Deutschen! «

Der Critstorm

Auch ich war unangenehm berührt. Doch wie der Rest der Zuschauer hatte ich es schnell abgehakt. Nicht so die versammelte Presse und viele Facebook- und Twitter-Nutzer. Das Video des Vorfalls wurde immer wieder geteilt. Man rümpfte die Nase, also ob die Nationalmannschaft geschlossen gegen das Brandenburger Tor gepinkelt hätte. Ein ausgewachsener Critstorm brach los. #Gauchogate war der Aufreger des Tages.

Mit dieser Performance hätten die Spieler alles wieder kaputt gemacht, was sie vorher an positivem Image aufgebaut haben. Auch die Presse reagierte schnell. Spiegel Online titelte noch während der Feier:» Götze, Klose und Co. verhöhnen die Argentinier. «

Wider der Gleichmacherei

Ich denke, wir müssen hier unterscheiden. Hauptberuflich sind diese 23 jungen Männer Fußballer. Ihr Spiel ist die Unterhaltung für ein Millionenpublikum. Sie sind Interviewprofis, weil die Vereine sie entsprechend schulen.

Aber vor 400.000 Menschen zu stehen und zu performen ist eine ganz andere Herausforderung. Ich möchte den Redner sehen, der Angesichts eines großen Publikums und dem damit einhergehenden Drucks nicht schon einmal etwas Blödes gesagt hätte. Das ist quasi Teil der Ausbildung.

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So geht es. Wer unvergessliche Reden hält, ragt unter der Masse der Redner heraus. Er wird häufiger gebucht und kann natürlich höhere Honorare verlangen. Was aber am wichtigsten ist: Seine Botschaft hat Bestand und das macht für ihn jeden Auftritt um einiges erfüllender.

vergesslicher Redner swIm ersten Teil des Artikels haben wir mit unserer Botschaft das Fundament für eine unvergessliche Rede gelegt. Denke immer daran, es ist noch lange keine Botschaft, wenn sich in der Rede nur eine generelle Themenrichtung wiederfindet.  Fällt den Besuchern nach einer Rede nichts anderes ein, als dass der Vortrag zum Beispiel über Motivation oder über Marketing gegangen ist, hat der Mann auf der Bühne keinen guten Job gemacht.

Die alles überragende Botschaft reicht für eine unvergessliche Rede nicht aus, aber sie bereitet das Feld für das, worüber wir heute sprechen. Die Strukturelemente unserer Rede. Sie sorgen für die MAGIE Deiner Rede. MAGIE steht für Metapher, Akronym, Geschichten, Interaktion und Energie.

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Redner KJL beide Arme ausgebreitetHast Du schon einmal ein Geschenk bekommen, das in recyceltes Geschenkpapier eingewickelt war?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Obwohl ich schon hin und wieder erlebe, wie Freunde und Bekannte meine Mitbringsel ganz vorsichtig auspacken, um das “schöne Papier” nicht zu beschädigen.

Würde ich es aber merken, dann hätte ich vermutlich ein seltsames Gefühl. Bin ich es dem anderen nicht wert, ein unbenutztes Geschenkpapier zu verwenden? Bin ich ein Bekannter zweiter Klasse für ihn? Oder geht es ihm so schlecht, dass er sich kein Geschenkpapier leisten kann? Soll ich das Geschenk überhaupt annehmen?

So ähnlich ergeht es mir, wenn ich dem einen oder anderen Redner zuhöre. Manche Geschichten und Beispiele werden immer wieder neu aufgewärmt. Als vor rund zwei Jahren Matthias Garten das erste Mal in seinem Vortrag vom “betreuten Lesen” sprach, habe ich Tränen gelacht. Er bezeichnete damit Reden mit sehr textlastigen Folien.  Letzte Woche auf der Präsentationskonferenz hat Nils Bäumer den gleichen Satz benutzt, genauso wie natürlich Matthias Garten.

Das ist unangenehm. Mindestens einer hat sein Geschenkpapier recycelt. Letzten Donnerstag erzählt mit eine Toastmasterkollegin von einer Rednerin, die auf dem Marketingsymposium in Mainz sprach. Das Symposium fand parallel zur Präsentationskonferenz in Mainz statt. Meine Kollegin erzählte mir davon, dass sie herzhaft darüber lachen musste, als die patente Unternehmerin, deren Namen sie bezeichnenderweise nicht mehr wusste,  vom “betreuten Lesen” in Powerpoint-Präsentationen gesprochen hatte.

Nichts ist so stark, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist, soll Victor Hugo einmal gesagt haben. Bei witzigen Redewendungen scheint das Gegenteil zuzutreffen.

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Black CoffeeDas Publikum hängt an den Lippen des Redners. Die Spannung ist kaum auszuhalten. In dem Saal mit über 500 Zuschauern könnte man eine Nadel fallen hören. Alle möchten wissen, wie seine Geschichte endet.

Dabei geht es eigentlich nur um eine Tasse Kaffee. Jeden Morgen freut er sich auf seine erste Tasse. Dem Redner gelingt es, seine sinnlichen Erlebnisse so präsent werden zu lassen, als würden die Zuschauer selbst gerade an dieser Tasse teilhaben. Doch eines Morgens stimmt etwas nicht. Das ist der Moment, von dem ich erzähle.

Wie kann etwas so Belangloses, wie eine Tasse Kaffee eine so große Spannung erzeugen?

Die Stimme ist der Schlüssel

Es ist die Art, wie der Redner mit seiner Stimme arbeitet. Wenn er den Kaffee riecht, riechen wir den Kaffee mit ihm. Wenn er die fast heiße Tasse umfasst, zucken wir auch kurz zurück, bevor wir fest zupacken. Wenn die wohlige braune Flüssigkeit mit ihrem starken Aroma seinen Gaumen benetzt, wollen wir auch schlucken.

Was passiert hier? Sind es die Worte, die diese Wirkung haben? Können Worte unsere Vorstellungskraft so anregen, dass wir gar nicht anders können, als diesen Kaffeemoment mit dem Redner zu teilen?

Die Antwort ist definitiv nein. Ich habe schon viele gute Redner gehört. Es gehört mehr dazu, um eine Geschichte so präsent zu machen. Ich bin inzwischen überzeugt, dass die Stimme die wichtigste Zutat des Redners ist.

In unserer Stimme kann locker der ganze Kaffeegenuss mitschwingen. Und so Vieles mehr!

Was mache ich dann, wenn meine Stimme nicht so toll ist? Schließlich kann ich nicht ständig meine Stimme verstellen.

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Symmetischer RednerAm Ende unserer Rede entscheidet sich, ob wir unseren Zuhörern im Gedächtnis bleiben oder nicht. Es entscheidet sich, wie sehr sich unser persönlicher Einsatz gelohnt hat.

Stell Dir vor, der Referent brennt über eine ganze Stunde lang ein Feuerwerk an interessanten Erkenntnissen, Aha-Momenten und purer Motivation ab und endet dann mit »Das war es! Wenn Sie fragen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung!«

Was für ein Tiefpunkt! So darf keine Rede enden.

Das wäre in etwa so, wie wenn die Alliierten am D-Day unter größten Verlusten in der Normandie gelandet wären, um Tags darauf wieder nach England zurückzufahren.

Ein Finale Interruptus lässt den Zuschauer enttäuscht zurück. Als würde ein Film kurz vor dem Happy End einfach abreißen. Wenn wir eine Stunde lang begeistert zugehört haben, erwarten wir zum Abschluss einen weiteren Höhepunkt.

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