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Teil I: Die Botschaft

Zeigefinger swDie Frau ist witzig, hat Ahnung und weiß, zu reden. Doch als sie nach gut einer Stunde furios endet, bleibt doch eine Frage offen. Was wollte Sie mir eigentlich sagen? Da bleibst Du als Zuhörer gut unterhalten zurück, aber die einzelnen Teile verschwinden schon im Nebel des Vergessens, während Du noch vergnügt über den letzten Gag nachdenkst.

Ist es Dir auch schon einmal so ergangen? Der Redner ist unvergesslich. Aber für seine Rede gilt das nicht. Woran liegt das? Ist es unsere verkürzte Aufmerksamkeitsspanne? Schließlich haben Internet, SMS, E-Mails und SmartPhones in den letzten Jahren unsere Arbeits- und Denkweise nachhaltig verändert.

Nein! Das ist zwar ein spannendes Thema, aber das ist allerhöchstens ein Thema, warum so viele Redner mit ihrer schnellvergesslichen Rede durchkommen.

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Black CoffeeDas Publikum hängt an den Lippen des Redners. Die Spannung ist kaum auszuhalten. In dem Saal mit über 500 Zuschauern könnte man eine Nadel fallen hören. Alle möchten wissen, wie seine Geschichte endet.

Dabei geht es eigentlich nur um eine Tasse Kaffee. Jeden Morgen freut er sich auf seine erste Tasse. Dem Redner gelingt es, seine sinnlichen Erlebnisse so präsent werden zu lassen, als würden die Zuschauer selbst gerade an dieser Tasse teilhaben. Doch eines Morgens stimmt etwas nicht. Das ist der Moment, von dem ich erzähle.

Wie kann etwas so Belangloses, wie eine Tasse Kaffee eine so große Spannung erzeugen?

Die Stimme ist der Schlüssel

Es ist die Art, wie der Redner mit seiner Stimme arbeitet. Wenn er den Kaffee riecht, riechen wir den Kaffee mit ihm. Wenn er die fast heiße Tasse umfasst, zucken wir auch kurz zurück, bevor wir fest zupacken. Wenn die wohlige braune Flüssigkeit mit ihrem starken Aroma seinen Gaumen benetzt, wollen wir auch schlucken.

Was passiert hier? Sind es die Worte, die diese Wirkung haben? Können Worte unsere Vorstellungskraft so anregen, dass wir gar nicht anders können, als diesen Kaffeemoment mit dem Redner zu teilen?

Die Antwort ist definitiv nein. Ich habe schon viele gute Redner gehört. Es gehört mehr dazu, um eine Geschichte so präsent zu machen. Ich bin inzwischen überzeugt, dass die Stimme die wichtigste Zutat des Redners ist.

In unserer Stimme kann locker der ganze Kaffeegenuss mitschwingen. Und so Vieles mehr!

Was mache ich dann, wenn meine Stimme nicht so toll ist? Schließlich kann ich nicht ständig meine Stimme verstellen.

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Redner von untenDie größte und wichtigste Gabe eines Redners ist es, seine Zuhörer zu bewegen. Doch viele schlüpfen in eine falsche Rolle. Das kostet sie alles.

Der Raum ist brechend voll. Erwartungsvoll warten die Menschen auf den Redner. Eine kurze Einführung durch eine junge Frau und er stürmt auf die Bühne. Applaus!

Der Unantastbare

Dann legt er los. Er beginnt mit einer Geschichte über sich selbst. Er kommt von ganz unten und sein Leben ist eine einzige Überholspur. Nichts konnte ihn davon abhalten, bis in den Olymp des Erfolgs vorzustoßen. Pleiten, Pech und Pannen? Gibt’s bei ihm nicht. Denn das lässt er einfach nicht zu. Wow! Was für eine Erfolgsgeschichte!

Endlich erleben wir einen vom Schicksal Auserwählten live. Zu Recht ist der Mann von sich selbst begeistert. Doch je länger der Erfolgsbolide auf sein Publikum einredet, desto weniger erreicht er es. Ja! Jeder möchte gerne so erfolgreich sein, wie der Mann auf der Bühne. Nein! Auch wir wollen keine Rückschläge erleben. Ja! Wir wollen unser Geburtsrecht auf Erfolg einfordern. Wow! Kann der Mann reden!

Die Verlierer

Die Sache hat einen Schönheitsfehler. Der Mann auf der Bühne ist ein Ausnahmeexemplar. Wir Zuschauer sind dagegen ganz normal. Auch wenn wir uns für ein paar kurze Momente von dem Motivator aufblasen lassen. Die heiße Luft entweicht schneller als wir sie zuvor aufgenommen haben. Wir identifizieren uns nicht mit dem Standbild aus Erfolgsgranit. Wir sind normal. Lass den mal reden. Er kann das vielleicht. Wir müssen mit dem auskommen, was uns gegeben wurde.

Ab diesem Moment hat der Redner verloren.

 

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Symmetischer RednerAm Ende unserer Rede entscheidet sich, ob wir unseren Zuhörern im Gedächtnis bleiben oder nicht. Es entscheidet sich, wie sehr sich unser persönlicher Einsatz gelohnt hat.

Stell Dir vor, der Referent brennt über eine ganze Stunde lang ein Feuerwerk an interessanten Erkenntnissen, Aha-Momenten und purer Motivation ab und endet dann mit »Das war es! Wenn Sie fragen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung!«

Was für ein Tiefpunkt! So darf keine Rede enden.

Das wäre in etwa so, wie wenn die Alliierten am D-Day unter größten Verlusten in der Normandie gelandet wären, um Tags darauf wieder nach England zurückzufahren.

Ein Finale Interruptus lässt den Zuschauer enttäuscht zurück. Als würde ein Film kurz vor dem Happy End einfach abreißen. Wenn wir eine Stunde lang begeistert zugehört haben, erwarten wir zum Abschluss einen weiteren Höhepunkt.

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StartknopfRednern geht es nicht besser als Autoren oder Bloggern. Der Anfang einer Rede ist genauso wichtig, wie der Anfang einer Geschichte oder eines Artikels. Unser Anfang bestimmt, wie viele unserer Zuhörer oder Leser wir mitnehmen. Der Anfang ist der tapfere kleine Kaltakquisiteur, der unseren Inhalten die Tür öffnet.

Es ist noch gar nicht lange her, da war das Publikum dem Redner ausgeliefert. Wenn ein Redner gleich von Anfang langweilig war, dann konnten wir seine Absonderungen allenfalls ertragen. Doch im Zeitalter von Smartphones können wir etwas dagegen tun, uns von einem leidenden Langeweiler auf der Bühne Lebenszeit stehlen zu lassen.

»Wenn Dein Publikum konzentriert nach unten starrt, hast Du verloren«, brachte es ein guter Kollege einmal auf den Punkt.

Daher ist der Anfang der Rede so wichtig. Wen wir dabei verlieren, holen wir nur ganz selten wieder zurück.

Der »Primacy Effect«

Gleichzeitig unterschätzen viele den sogenannten “Primacy Effect”. Unsere ersten Worte bleiben dem Publikum mit am längsten im Gedächtnis haften. Das ist wohl auch der Grund, warum so viele Redner sich an dieser Stelle für die Ehre bedanken, gerade vor diesem Publikum reden zu dürfen. Gleichzeitig ödet sich gerade dieses Publikum in die Sofortnarkose.

Besonders beliebt ist auch die umfangreiche Darstellung der eigenen Person und der Verdienste des Redners. Ungeachtet dessen, dass der Moderator das zuvor schon mit viel Mühe gemacht hat. Es könnte ja sein, dass den Zuhörern etwas Wichtiges entgangen ist.

Versetzen wir uns in unser Publikum. Interessiert uns das wirklich? Wir kennen die Person auf der Bühne nicht. Da fühlt es sich auch nicht so wohlig an, wenn sie versucht in unseren Hintern zu kriechen. Mitleid wollen wir schon gar nicht haben, während sie ihren Minderwertigkeitskomplex bewältigt.

Wenn ich im Publikum sitze, möchte ich interessiert werden. Ich möchte Begeisterung erleben, ich möchte auch einmal lachen und ich möchte, dass die Zeit wie im Flug vergeht, während ich viele spannende neue Erkenntnisse und Ideen für mich mitnehme.

Der Anfang einer Rede muss genau das versprechen. Dafür gibt es eine ganze Anzahl von Mitteln.

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