Die unvergessliche Rede (Teil I)

By Kai-Jürgen Lietz • In Publikum, Redearchitektur, Reden1 Comments

Teil I: Die Botschaft

Zeigefinger swDie Frau ist witzig, hat Ahnung und weiß, zu reden. Doch als sie nach gut einer Stunde furios endet, bleibt doch eine Frage offen. Was wollte Sie mir eigentlich sagen? Da bleibst Du als Zuhörer gut unterhalten zurück, aber die einzelnen Teile verschwinden schon im Nebel des Vergessens, während Du noch vergnügt über den letzten Gag nachdenkst.

Ist es Dir auch schon einmal so ergangen? Der Redner ist unvergesslich. Aber für seine Rede gilt das nicht. Woran liegt das? Ist es unsere verkürzte Aufmerksamkeitsspanne? Schließlich haben Internet, SMS, E-Mails und SmartPhones in den letzten Jahren unsere Arbeits- und Denkweise nachhaltig verändert.

Nein! Das ist zwar ein spannendes Thema, aber das ist allerhöchstens ein Thema, warum so viele Redner mit ihrer schnellvergesslichen Rede durchkommen.

Anspruchsvoll

Eine unvergessliche Rede muss viel mehr leisten, als nur unterhaltsam zu sein. Stell Dir vor, Du wolltest einen Wolkenkratzer bauen. Dann würde es vermutlich nicht reichen, ein großes Grundstück zu haben und sich möglichst viel Baumaterial liefern zu lassen. Du bräuchtest einen genauen Plan, eine Architektur.

Edle Einfalt – stille Größe

Genau das Gleiche braucht eine unvergessliche Rede. Eine gute Redearchitektur beginnt mit der Botschaft. Sie ist das Fundament. Im wahrsten Sinne des Wortes, steht und fällt mit der Botschaft alles. Sie liefert die Statik für alles weitere. Als Daumenregel gilt: Einfach ist einfach stark. Komplexe Botschaften mögen uns den Respekt einiger Intellektuellen einbringen.

Einfache Botschaften verändern die Welt.

»I have a dream!«

Martin Luther King würde zustimmen, Dank seines Traums haben die USA heute ihren ersten afroamerikanischen Präsidenten! Die Gretchenfrage lautet für jeden Redner: »Sag Faustus, wie hältst Du es mit der Wirksamkeit Deiner Rede?« Oder anders gefragt, »willst Du etwas bewirken, oder nicht? «

Fundamental

Was meine ich damit, wenn ich von der Botschaft als dem Fundament meiner Rede spreche? Ganz einfach, meine Rede beinhaltet nichts, was außerhalb der Botschaft liegt. In “Die Mutter aller Entscheidungsmethoden” war meine Botschaft: »Entscheidungen geben unserem Handeln eine Richtung. Daher braucht jeder eine Vision«. In meiner Rede habe ich daher über die Richtung gesprochen, die das Leben meiner Zuschauer bis zu diesem Zeitpunkt genommen hat. Ich habe auch darüber gesprochen, wie wichtig Ziele für unser Entscheidungsverhalten sind. Ich zeige, wie wir mit der richtigen Vision sogar den berüchtigten Tunnelblick des Entscheiders vermeiden.

Themen, die ich sonst auch gerne anspreche, wie Entscheidungsfallen oder berüchtigte Fehlentscheidungen kommen in dem Vortrag nicht vor. Beides ist zwar interessant und bietet meinen Zuschauern auch viele Lacher. Aber sie unterstützen die Botschaft nicht. Damit sind sie überflüssig. Verwässere niemals Deine Botschaft!

Auffällig

Ich lerne noch immer, der Redner zu werden, den ich in meiner Vision vor mir sehe. Aber bezüglich meiner Botschaft bin ich immer konsequent. Viele meiner Rednerkollegen sprechen mich in letzten zwei Jahren häufig auf die Architektur meiner Reden an. Sie sehen dort eine meiner Stärken. Doch die Grundlage dafür ist meine jeweilige Botschaft. Solange es durch Deine Botschaft getragen wird, kannst Du über alles reden. Deine Zuschauer haben immer das Gefühl, dass hier alles zusammen passt.

Für die unvergessliche Rede reicht das allerdings noch nicht. Denn selbst mit einer klaren Botschaft kann eine Rede noch “klappern”. So nenne ich das, wenn die einzelnen Teile nicht an Referenzelementen festgemacht werden und wir sie deshalb schon wieder vergessen, während der Redner weiterspricht. Unsere Rede braucht eine Struktur, die es dem Zuschauer ermöglicht, einen nachhaltigen Zusammenhang für sich herzustellen.

Mit Struktur meine ich also nicht so banale Dinge, wie Einleitung, Hauptteil und Schluss, sondern eine geplante Struktur auf Basis gehirngerechter Gedächtnisanker. Doch dazu komme ich im zweiten Teil.

Bis dahin überprüfe Deine bisherigen Reden. Wie genau lautete ihre jeweilige Botschaft? Gab es Teile, die durch die Botschaft nicht getragen wurden? Was willst Du in Zukunft damit machen?

One Comment

  1. Henryk Lüderitz 28. April 2014 12:16

    Viele „Speaker” stellen sich so dar, als wäre die perfekte Rede an besonderes Talent gebunden.
    Ich bin völlig bei Ihnen: Eine gute Rede ist mit viel (Denk)Arbeit verbunden.
    Es geht darum, dem Zuhörer das Denken zu vereinfachen. Das hat schon fast etwas mit gutem Anstand und Wertschätzung zu tun.

    In meiner Zeit als Führungskraft habe ich den “Rednern” (Mitarbeitern) gerne folgende Frage gestellt: „Wie würdest Du den Sachverhalt in einem Satz beschreiben?” Quasi eine Überschrift, eine Botschaft. Je besser die Botschaft-Antwort meiner Mitarbeiter war, desto klügere Entscheidungen konnten wir treffen.
    Eine klare Botschaft zu finden ist also nicht nur für Speaker interessant.

    Viele Grüße aus Düsseldorf,
    Henryk Lüderitz
    -Einer von Euch-

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